Im feurigen Schein

©Sofia Berner – 2024- Tanna, Vanuatu

Nachts zeigt der Mount Yasur seine wahre Magie. Die in den Nachthimmel aufsteigenden Vulkangase werden im Dunkeln vom Glühen der Lava im Krater in ein feuriges Licht getaucht.

Bei diesem Anblick ist es kein Wunder, dass der Vulkan auch eine zentrale Rolle im Leben der Inselbewohner spielt. Seine vulkanische Aktivität prägt ihre Lebensweise, ihre Glaubensvorstellungen und traditionellen Praktiken noch bis heute.

Auf Kriegsfuss mit dem Türrahmen

Als ich es am dritten Tag meiner zweiwöchigen Reise in Vanuatu etwas zu eilig hatte, noch etwas vom Frühstücksbuffet zu ergattern, verpasste ich die eigentliche Tür und stiess stattdessen mit voller Wucht gegen den Türrahmen. Leider war der Zusammenstoss nicht ganz so harmlos, denn ich habe mir dabei tatsächlich einen meiner kleinen Zehen angebrochen.  

Mit dem angebrochenen und mittlerweile blau-violett angeschwollenen Zeh passte ich nicht mehr in meine Wanderschuhe – von den Schmerzen ganz zu Schweigen. Und so verbrachte ich die restliche Zeit dieser Reise humpelnd – barfuss oder in Badeschuhen, und mit einem „Gehstock“ in der Hand – auch auf dem aktiven Vulkan Mount Yasur…

Mount Yasur, Tanna. Foto: Ulla Lohmann

Barfuss oder in offenen Schuhen auf einen Vulkan zu steigen, würde ich nicht unbedingt empfehlen. So schön warm die Vulkanasche auch ist, so viele kleine spitze Mineralien und Vulkanauswürfe liegen herum, die nur darauf warten, sich in den Fuss zu bohren.

Eine bessere Schutzkleidung gibt es nicht…

Pelés Haar (auch Hexenhaar genannt) zum Beispiel, sind extrem feine, zerbrechliche Glasfäden, die bei Vulkanausbrüchen entstehen. Sie bilden sich, wenn Gasblasen in der Nähe der Oberfläche eines Lavasees oder -stroms aufsteigen und platzen. Dabei wird die noch flüssige Lava durch die freigesetzten Gase in die Länge und zu dünnen Fäden gezogen, die bis zu etwa einem halben Meter lang und ca. 1 Mikrometer dick werden können. 

In manchen Fällen bleiben an ihren Enden kleine erstarrte Tröpfchen zurück, die als „Peles-Tränen“ bezeichnet werden. In diesen Kügelchen können winzige Gasblasen eingeschlossen sein, die zum Teil wissenschaftliche Hinweise auf die Zusammensetzung des Magmas liefern können.

Obwohl sie so filigran wirken, sind sie scharf und spröde – vergleichbar mit winzigen Glassplittern. Sie können in die Haut eindringen und abbrechen, und sind besonders gefährlich für die Augen.

Daher wird beim Aufenthalt in der Nähe von aktiven Lavaströmen oder Lavaseen empfohlen Schutzkleidung zu Tragen – offene Badeschuhe gehören da definitiv nicht dazu…

In the Fiery Glow

©Sofia Berner – 2024- Tanna, Vanuatu

At night, Mount Yasur reveals its true magic. The volcanic gases rising into the night sky are illuminated by the glowing lava within the crater, bathing them in a fiery light.

At such a sight, it is no wonder that the volcano continues to play a central role in the lives of the island’s inhabitants. Its volcanic activity still shapes their way of life, spiritual beliefs, and traditional practices to this day.

The doorframe battle

On the third day of my two-week trip to Vanuatu, I was in a bit too much of a hurry to grab something from the breakfast table. In my rush, I missed the actual door and instead slammed my toes full force into the doorframe. Yeah, I actually managed to fracture one of my little toes.

And so, with my fractured toe swollen to a lovely shade of blue and purple, I could no longer fit into my hiking boots – not to mention the pain. So I spent the rest of the trip limping around either barefoot or in flip-flops with my hiking stick in the hand, including during my visit to Mount Yasur…

Mount Yasur, Tanna. Foto: Ulla Lohmann

I would not necessarily recommend climbing a volcano barefoot or in open footwear. As pleasantly warm as the volcanic ash may be, the ground is covered with sharp minerals and volcanic debris just waiting to find their way into your feet.

Clearly, the perfect outfit for exploring an active volcano…

One example is Pele’s Hair (also known as witch’s hair), an extremely fine, fragile volcanic glass fiber formed during eruptions. It develops when gas bubbles rise to the surface of a lava lake or lava flow and burst. The escaping gases stretch the still-molten lava into long, thin strands that can reach lengths of up to half a meter while being only about one micrometer thick.

In some cases, tiny solidified droplets remain attached to the ends of these strands. These are known as Pele’s Tears. The droplets can contain microscopic gas bubbles that provide scientists with valuable clues about the composition of the magma.

Although Pele’s Hair looks delicate and almost harmless, it is sharp and brittle – much like tiny glass splinters. The fibers can penetrate the skin and break off, and they are particularly hazardous to the eyes.

For this reason, protective clothing is recommended when spending time near active lava flows or lava lakes. Open flip-flops definitely do not qualify as suitable protective gear… 😅


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